GALERIE SCHÜTTE Wolfgang G. Bühler   
 
 
 
Petra Weigle

MALEREI ZWISCHEN STRUKTUR UND POESIE
"Erdengrünoxydrotpurpur" - zu den Papierarbeiten von Wolfgang G. Bühler

Unverwechselbar sind sie, diese Malstücke auf Kupferdruckpapier im festgelegten Format bei schmaler Farbpalette.
Einnehmend sind sie, diese Farbstücke, die die weiße Wand selbst als Grund nehmen und damit ihre Dynamik direkt
im Raum spürbar werden lassen.

Wolfgang G. Bühler, der sich seit über zwei Jahrzehnten der Kunst im Medium der Farbe - und zwar ganz im Sinne der
Beuys´schen Auffassung von Kunst als materialisierter Energie - verschrieben hat, scheint in seinen Papierarbeiten
die Grenze abzutasten, an der die Kraft einer oft minimalen Setzung noch spürbar sein kann.

Immer parallel zu seinen Bildern auf Leinwand entstehen Arbeiten auf Papier, nicht als Vorstudien - skizzenhaft Ideen
gebend - sondern als höchst eigenständige Werke. Denn auch ihnen liegt die Begegnung mit der Realität der Landschaft
zugrunde, "Spaziergänge sind Erkundungsgänge", so der Künstler selbst. Sie zeigen die Auseinandersetzung mit Fragen
zur Ästhetik, die immer auch Fragen zu Problemen der Malerei bedeuten und auch sie entstehen im Atelier.

Muten die oft großformatigen Bilder - oder besser Wandstücke - wie überformatige Projektionen mikroskopischer Auf-
nahmen von Material- oder Landschaftsoberflächen an, gibt der fokussierte Blick in den Papierarbeiten die Assoziation
auf spezifische Stellen behutsam freigelegter, noch nicht vollständig gereinigter archäologischer Funde vor.

Wolfgang G. Bühler bearbeitet das Papier vielfach mit Farbe. Immer wieder legt er eine Schicht auf die andere. Und so wie
die Farbe auf der Oberfläche verarbeitet ist, liegt allein schon viel Bewegung darin, ruft Lichtbrechungen hervor. Die Folie,
die dann noch im nassen Zustand aufgezogen wird, schließt die Farbe wie eine Haut ein, lässt beim Trocknungsprozess
unterschiedlich Lufteinschlüsse und Farbinseln entstehen.

Ähnlich wie bei den Faltungen aus den Jahren 1998/2000, ergeben sich Farblandschaften, bizarr und in reliefhafter Struktur,
deren Linien und Krater weiterführen könnten. Ganz anders die sich überlagernden Farbschichten und entstandenen Farb­
formationen in den aktuellen Arbeiten: Sie wirken wie ein einmaliges, zeitlich und räumlich definiertes Ereignis, das hier
eingefangen wurde.

Bühlers radikaler Ansatz in der Ökonomie der Mittel erfordert in der Praxis des Malprozesses - der bei ihm auch immer
Dialog bedeutet - Zeit, Geduld, und Konsequenz, dann erst beginnen die Wellen und Linien ihr Eigenleben, führen vor, was
Farbe im elementaren Sinne ist, entwickeln sich Knotengebilde, wird die durch das Material gegebene Nähe zum Relief
ausgelotet in der gegenseitigen Durchdringung von Vorder-Grund und Hinter-Grund.

In Verbindung mit dem Raum entwickeln die verhaltenen Rhythmen dieser farbigen Papierstücke - die ja zueinander in
Beziehung treten - sich wiederholende Töne und Akzente und erinnern nicht ohne Grund an musikalische Momente.

Und es ist die Verbindung von spielerischer Leichtigkeit, strenger Regel und intensiver Farbigkeit, die die eindringliche
Ausstrahlung der Arbeiten ausmacht. Still, unaufdringlich, wie zurückhaltende Markierungen in den Schleier der Hermetik
gehüllt und sich selbst genügend und doch gleichzeitig von außerordentlicher Präsenz, vermögen sie ihre Umgebung zu
stimmen.

In Wolfgang G. Bühlers künstlerischer Arbeit spielt der intuitive Akt des (Neu-) Gestaltens die zentrale Rolle. In der Hingabe
an die Inspiration - zwischen Spontaneität und Kontrolle - im Eingehen auf das Material, in der Zutage­förderung seiner
medialen Möglichkeiten, die einen bestimmten Erlebnisgehalt zum sinnhaften Ausdruck verhelfen, entfernt Bühler sich
vom technischen Fixieren und zeitlichen Limitieren und bewegt sich im konsequenten Fortschreiben am "unermesslichen
Gebäude der Erinnerung" (M. Proust).

 

Petra Weigle
Kunsthistorikerin
seit 1991 am Institut für Moderne Kunst, Nürnberg
2003 Ausstellungsleitung am Kunsthaus Nürnberg

   
   

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