GALERIE SCHÜTTE Presse Alke Reeh     
 
 

Figurinen wie Röcke aus Ton und umgestülpte Porzellantassen



Ohne Anfassen geht es nicht: Ein Bild ganz plan aus feinstem Stoff genäht? Figurinen, die aussehen wie Röcke aus Ton? Ein Riesenornament als Wandobjekt gefaltet, als sei es aus Packpapier? Der Betrachter irrt. Schließlich befindet er sich in der Galerie Schütte, bekannt für Kunst, die täuscht: eingefahrene Sehgewohnheiten, vorschnelle Zuordnungen, konventionelle Erwartungen.
Alke Reeh ist eine neue Position im Programm der Galerie, eine, die es punktgenau trifft und bereichert mit scheinbar einfacher Formensprache. Akribisch, fein, filigran, fast ohne den Einsatz von Farbe erzielt die Rinke Schülerin mit reduzierten Mitteln maximale Veränderungen. Und Verwunderung, denn all die vorschnellen Vermutungen erweisen sich als falsch. Man muss mehr als einmal hinschauen und tasten, um der Machart dieser Werke auf die Spur zu kommen.
Der Künstlerin kommt es auf bizarre Blickwinkel, auf Verschiebungen vertrauter Zusammenhänge an, des alltäglichen, des kulturellen, des subjektiven. Doch eins ist offensichtlich: Sie hat ein Faible für Formen, die fortschreiten vom Einfachen zum Komplexen und umgekehrt. Dazu die Geschicklichkeit einer Handwerkerin, die vor dem Besuch der Kunstakademie Düsseldorf Metallverarbeitung studierte, dazu den Horizont eines Menschen, der gerne reist, dem das Verlassen eingefleischter Zusammenhänge Lebenselixier ist. Alke Reeh spürt Analogien von Mustern und Formen auf, die sich über religiöse, ethnische, kulturelle Schranken hinwegsetzen, um sie mit unterschiedlichsten Materialien in ihrer Kunst sinnfällig werden zu lassen. Und so stellt der Betrachter fest, dass sich ein Spitzendeckchen locker in die Kuppelhöhle einer Moschee integriert, eine Porzellantasse aus Europa, umgestülpt, Formen eines hinduistischen Tempels aufgreift. Das Stoffbild entpuppt sich als Fotografie hinter mattiertem Glas, das Wandobjekt ist aus schwerem Nylonmaterial genäht, was wie gemalt aussieht, fein gestickt. Und ein Foto durch die Ornamente einer Moschee spiegelt den tastenden Blick einer vielleicht verschleierten Frau.

Bis zum 31. 12. 2009, Galerie Schütte, Essen Kettwig, Hauptstr.: Di - Fr 14:30 - 19:00 Uhr, Sa 11 - 14 Uhr u. im Kunstraum kunstwerden e.V. Fr 19:30 - 24:00 Uhr u. n. V., Essen Werden
WAZ-Werden
Freitag, 13. November 2009
WAZ-Kettwig
Donnerstag, 5. November 2009
   

Unter dem Altarhimmel der Kunst

Vier Künstler haben sich zur letzten Folge der diesjährigen Kunstsequenzen im Göttinger Künstlerhaus zusammengetan: Alke Reeh, Renate Bethmann und Jutta Herrmann sowie der Fotograf Matthias Walliser.


Ein Fächer für die Kunst: Alke Reeh im Göttinger Künstlerhaus.

Von Tina Lüers
Die Decke des Tempels ist seine Kuppel. In ihr fliegen die Schwalben umher, geben der Utopie vom Raum Raum. Die Kuppel erhöht in schönem Zitat den Kunstraum zum sakralen Ort, mehr "white" als "White Cube". Die Düsseldorfer Künstlerin Alke Reeh hat die Kassettendecke des weißen Saals im Lichtenberghaus abfotografiert und drucken lassen, die breiten Bänder nach genauem Plan eingeschnitten und gefaltet zu einem Gewölbe. Stalaktiten-, den Tropfsteinhöhlen nachempfundenen islamischen Kuppeln, wie sie das Gewölbe  ironisch nennt, ist es doch eher ein Zellengewölbe.
Die Kassettendecke macht die tragenden Teile sichtbar, ist jetzt jedoch umgewidmet in die  gespreizte Funktionsl os igkeit dekorativer Zellen des kreisrund gefalteten Fächers. Er  hängt von oben herab, bildet Tempel und Abbild zugleich. Unter diesem, für die zwischen Ornament und Funktion, zwischen Innen und Außen, Schwere und Leichte os zillierenden Arbeiten Alke Reehs typischen Baldachin spiegelt sich in den "Falten des Fächer" die Welt.
Verletzliche Oberfläche
Unter dem Altarhimmel der Kunst versammeln sich überdies die drei weiteren P os itionen des vierten Teils der Kunstsequenzen. Angelassen, sich mit dem Künstlerhaus "Vor Ort - auf Zeit" zu beschäftigen, hat Matthias Walliser zwei fotografische Motive der Außenansicht in Variationen als Grundlage für Ausschnitte verwendet. Noch farbfrisch kratzt der Fotograf und Maler in die Bilder, verwischt sie, zerreibt mit Wasser die Farbe. Verletzliche Oberfläche der Kunst, des Bildes, des Menschen.
Die Fragilität von Raumwahrnehmung macht Renate Bethmann mit ihrer Treppeninstallation zum Thema. Sie  setzt den Horizontalen organisch Vertikales entgegen.
Silikon diente Jutta Herrmann zur Herstellung kleiner dicker rosafarbener nackter Männer. Der Befreiung aus Pappkartons anheimgegeben, drohen sie aber auch, in der Ungnade der Öffentlichkeit der Zerknautschung ihrer Körperlichkeit zum Opfer zu fallen. Wie weit der Himmel ist. 
Die Ausstellung ist bis zum 29. Juni dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 13 Uhr im Göttinger Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, zu sehen.

Veröffentlicht am 20.06.2008 20:30 Uhr

Göttinger Tageblatt
Unter dem Altarhimmelder Kunst
20. Juni 2008
WAZ-Kettwig
Samstag, 27. Januar 2007
Neue Ruhr Zeitung
Mittwoch, 24. Januar 2007
Werdener Marktplatz
Ausgabe Januar 2007



Große Kunstausstellung Düsseldorf: Das große Künstler-Rendezvous
900 Werke warten bei der Großen Düsseldorfer Kunstausstellung auf Käufer. Der "Preis der Künstler" geht an den Maler Max Uhlig.
Düsseldorf . Da sage noch jemand, jeder Künstler hacke dem anderen die Augen aus. Axel Vater vom "Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen" und sein Team machen das Unmögliche möglich und bitten zu einer wohl geordneten "Großen Düsseldorfer", platzieren ohne Chaos 350 Künstler mit 900 Gemälden, Fotos, Videos und Skulpturen auf 55 250 Quadratmetern. Trotz der Masse bewegt sich die Schau auf relativ hohem Niveau. Es gibt kaum Ausrutscher auf 1300 Metern Hängefläche, zu Preisen zwischen 60 und 75 000 Euro. Die 140 Mitglieder leisten sich seit 30 Jahren einen "Kunstpreis der Künstler" für 2500 Euro.

Da die Düsseldorfer Messe-Halle 8 im Vergleich zu dem wegen Sanierung geschlossenen Kunstpalast immens groß ist, beginnt der Rundgang mit einem Überblick über die Preisträger der Vergangenheit mit aktuellen Beispielen. Hier hat die Schau stellenweise museale Qualität. Norbert Tadeusz fügt drei seiner Pferde-Breitwand-Szenen zu einem Fries.

Hede Bühl lässt die Kunst der Kollegen in ihren polierten Bronze-Köpfe sich spiegeln. Johannes Grützke gebärdet sich als barocker Rubens der Gegenwart. Fluxus-Künstlerin Takako Saito zwingt die Gäste in die Knie, wenn sie ihr Klang- und Gewichtschachspiel ausprobieren wollen.

Der diesjährige Preis der Künstler geht an den Ostdeutschen Max Uhlig, der sich nie vereinnahmen ließ, sondern in seinen genialen Großtuschen eigene Dynamik entwickelte. Seine Bilder, im Ursprung an der Natur oder dem menschlichen Porträt orientiert, sind Kraftbündel. Sie reduzieren das Gesehene auf Grundformen, denen er einen energischen Lebensatem einhaucht.

Seine Peitschenhiebe, ein Akt steter Befreiung, degradieren manche westdeutschen informellen Künstler als bloße Linienschriftzeichner. Er erhält die Auszeichnung für sein Lebenswerk. Der Förderpreis (1500 Euro) geht an die 29-jährige Elizabeth Cortinas Hidalgo aus der Kölner Medienhochschule für ihre witzigen dadaistischen Collagen.

Um die "Große" zu profilieren, schnitt Axel Vater alte Zöpfe ab. Es gibt nun eine Jury, die jährlich neu besetzt wird. Der Altersbonus ist gefallen. Ein Drittel der Künstler ist zum ersten oder zweiten Mal dabei, 48 sind unter 35 Jahre alt. Eine weitere Verjüngung ist angepeilt.

Dies hat Folgen. Die klassische Bildhauerei und Druckgrafik sind kaum noch vertreten. Tobias Gereon Gerstner steht mit seiner komisch-realistischen Keramik-Medusa als figurativer Bildhauer allein da. Statt Skulpturen gibt es Installationen: Renate Löbbeckes wundersam organisch und distanziert wirkende Haut-Hemden oder Carol Pilars de Pilars kleiner, einsamer, streunender Keramikhund gehören dazu.

Victor Cleve zerlegt ein Bild in seine Umrisse, befestigt die Konturen auf Stangen und zwingt den Betrachter, die Einzelteile zu einem lebendigen Ganzen zusammenzufügen. Die Holländerin Anneliese Sojer baut einen alten VW aus Pappe nach und bestückt das windschiefe Kultobjekt mit Kaffeebohnen.

"Schauer" nennt Bettina Zachow ihre Haarobjekte, und ein Schauer überkommt einen, wenn man an die Geduld beim Drehen des dünnen Materials zu leichtgewichtigen Gespinsten denkt. Alke Reeh zwingt den Betrachter trotz der hohen Hallen auf die Knie zu ihrer perfekten Bodenarbeit, ein mäandernder Vorhang, dessen Unberührbarkeit fasziniert. Reeh hat eine dynamische Form aus einem Gerüst dünner Sperrhölzer gebaut und mit einem Kreidegrund beschichtet; die straffe Form wirkt dennoch auratisch.

Unter den Fotografen ragt Manfred Tischer mit feinen klassischen Porträts aus den 70er Jahren heraus, darunter Eva Hesse, Niki de St. Phalle oder Joseph Beuys. Mischa Kuball schaut auf Moskau durch ein leeres Wodka-Glas. Unter den Zeichnern ist Renate Behla mit blutrot konturierten Wesen zu nennen.

  • Messe Düsseldorf, Halle 8, Europaplatz, bis 8.1.2006, Eröffnung 10. Dezember, 18 Uhr, dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr, 24., 25. und 31. Dezember geschlossen, Katalog 18 Euro
  • Internet: www.dieGrosse.de 09.12.05
    Von Helga Meister
Westdeutsche Zeitung
9. Dezember 2005
als PDF-Dokument
als Link zur Westdeutschen Zeitung

 

 

Auch wenn die Röcke geradezu überperfekt sitzen - mit ihren Entwürfen würde Alke Reeh keinen Blumentopf gewinnen. Den haben ihre Fotomodelle zwar an, aber nur dank Bildbearbeitung am Computer. In Wirklichkeit könnte man die genau an die Konturen des Körpers angepassten Blumentöpfe weder an- noch ausziehen. Das Spiel mit den Assziationen und Proportionen verblüfft in der Kettwiger Galerie Schütte, Hauptstraße 4. "Ich leihe als Künstlerin dem Betrachter meine Augen", meint Alke Reeh . Der 1960 geborenen Düsseldorferin kommt es darauf an, verschiedene Dinge so zusammenzuführen, als wären sie schon immer eins gewesen. Mit digitalen Collagen führt sie zudem die Austauschbarkeit von Formen vor Augen. So ersetzen in ihren Fotos dreckige Teetassen und gehäkelte Deckchen die Kuppel von Kirchen und Moscheen. Ein Wandrelief ließ Alke Reeh aus einem verwaschenen Küchentuch entstehen.Die Ausstellung "Von Kuppeln und Tassen" ist bis zum 31. Juli und nach den Galerieferien wieder vom 7. bis 18. September zu sehen. (tls)

NRZ-Essen
6. Juli 2004
WAZ-Kettwig
Samstag, 10. Juli 2004
Essener Revue
III/2004, Seite 104
   
   
   

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