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Nina Brauhauser präsentiert Fotografie in der Galerie Schütte, eine Insze-nierung, die wahrhaft gelungen ist. Die kleinen Räume, flirrend im neonscharf gestochenen Licht, nehmen die Wirkung der Bilder auf und umgekehrt strahlen diese in den Raum zurück. Entmaterialisieren ihn. Deuten an, wie es sich anfühlen kann, der Schwer-kraft zu entgehen, Orientierung durch Zeit und Raum und Gegenstand hinter sich zu lassen. Das Gefühl der Unend-lichkeit im Raum hat Brauhäuser durch Flächen erzeugt. Indem sie kleine Modelle aus Dreieck und Viereck, aus synthetischem Material und unbunten Farben baut, in neutralem Weiß, Grau und Schwarz mit einem kleinen Schuss Gelb, Grün, Blau. Die Winkel der Flächen werden leicht gegenein-ander geneigt, bis sie kippen und die gerade Geometrie ins Wanken gerät. Clean, neutral, belanglos muten solch technisch reduzierte Verfahren an, wäre da nicht der gekonnte konzep-tionelle Eingriff durch die Erfahrung mit Fläche, Farbe und Form, die einer solchermaßen minimalistischen Kunst zueigen ist. Aufgrund ihrer Erfahrung weiß sie, wie dicht, wie weit sie Flächenkörper neigen muss, damit durch das Scannen im Licht Schattierungen, weiche Farbverläufe, zart gezackte Kanten und leichte Brüche des allzu starr geometrisch Konstruierten entstehen. Damit spitze Dreiecke aussehen wie utopische Flugkörper oder ein Parallelogramm wie eine geheimnisvolle Pforte. So dass Spirituelles Einzug halten kann in die Kunst. Die Künstlerin ist mit Linie und Winkel groß geworden. Ihr Vater ist Kricke-Schüler, sie selbst Meister-schülerin der Folkwang-Akademie. Die Aura der gerade 30-Jährigen scheint ätherisch und ihr künstlerischer Auf-stieg sicher. Denn sie ist gefragt, mit fünf Ausstellungen parallel und in kurzer Folge. Derzeit macht sie bei einer Ausstellung in Litauen mit, der Niederrheinische Kunstverein und das Museum Kalkar stehen neben weiteren Galerieausstellungen auf dem Programm. Verblüffend ist, mit welch einfachen Mitteln sie große Kunst generiert und dabei Verfahren der Fotografie vom Kopf auf die Beine stellt. Nicht mit Tageslicht und Zoom nähert sie sich ihrem Objekt, sondern rückt dieses in statischem Licht und ohne Linse vor dem Scanner zurecht, bis jeder Winkel sitzt und das Bild-motiv stimmt. Präsentiert werden die Arbeiten hinter entspiegeltem Glas, sich selbst genügend und selbst-referenziell.
Bis 13.11., Galerie Schütte, Essen Kettwig, di-fr 14.30-19, sa 11-14 Uhr Hauptstraße 4 Eingestellt von kosmonaut |
"Entmaterialisierte Räume mit Plastik-modellen gescannt"
Christiane Dressler in "Galerien2010 - Kunst in Essen und Ruhrgebiet" |